Bericht über das Leibniz-Forum „Möglichkeiten, Grenzen und Perspektiven der inividualisierten Medizin am Beispiel der Onkologie“

22.03.2016 - 01.01.1970

am 10. März 2016 auf dem Campus Berlin-Buch

 

Peter Oehme (1) und Silke Osswald(2)

 

2016 ist das Leibniz-Jahr. Aus diesem Anlass hatte die Leibniz-Sozietät der Wissenschaften (LS) zu Berlin e. V.  und das Leibniz-Institut für Molekulare Pharmakologie (FMP) zu einem Forum über das aktuelle Thema der individualisierten Medizin eingeladen. Mitveranstalter waren die Klinik für Hämatologie, Onkologie und Tumorimmunologie im Helios Klinikum Berlin-Buch sowie die BBB Management GmbH Campus Berlin-Buch.

Entsprechend dem Credo von Gottfried Wilhelm Leibniz „theoria cum praxi et commune bonum“, brachte das Forum Akteure und Zuhörer aus der Grundlagenforschung, der Klinik und der Wirtschaft zusammen.

Nach der Eröffnung durch den Präsidenten der Leibniz-Sozietät, Prof. Gerhard Banse, und den FMP-Direktor, Prof. Volker Haucke, folgte der Impulsvortrag von Prof. Wolf-Dieter Ludwig mit dem Thema „Die individualisierte Medizin zwischen Versprechen und Wirklichkeit“. 

Prof. Ludwig, Direktor der o. g. onkologischen Helios-Klinik und Vorsitzender der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft, stellte in einem exzellenten Vortrag die Problematik sowohl aus der speziellen Sicht der Onkologie als auch aus dem allgemeinen Blickwinkel der individualisierten Medizin dar. In der anschließenden Diskussion wurde deutlich, dass es sich um eine wissenschaftlich wie gesundheitspolitisch hoch aktuelle Problematik handelt. Zugleich wurde belegt, dass die Entwicklung einer wirklich individualisierten Medizin erst am Anfang steht und erhebliche Bemühungen der Grundlagenforschung, der translationalen Forschung und der klinischen Forschung notwendig sind, um die mit dem Begriff der individualisierten Medizin verbundenen Erwartungen einzulösen.

In der nachfolgenden Podiumsdiskussion vertieften die Teilnehmer aus der Grundlagenforschung, der Klinik und der Wirtschaft den Dialog mit dem Impulsredner Prof. Ludwig. Moderator der Diskussion war der dem Bucher Campus langjährig verbundene Pharmakologe und Wirkstoffforscher Prof. Peter Oehme (Mitglied der LS).
Der Molekularbiologe und Kliniker PD Dr. Martin Janz erläuterte die in der Grundlagenforschung zur Krebsätiologie erreichten Fortschritte, wies  aber zugleich drauf hin, dass der Begriff „individualisierte Medizin“ von der Pharmaindustrie als zentrales Element ihrer Entwicklungs- und Verkaufsstrategie verwendet wird. In diesem Sinne unterstützte ihn der langjährig in der industriellen Pharmaforschung tätige Prof. Matthias Bräutigam. Dr. Jens Hoffmann geschäftsführender Direktor des auf dem Berlin-Bucher Campus ansässigen Unternehmen EPO (=Experimentelle Pharmakologie&Onkologie) belegte überzeugend den Stellenwert der translationalen Forschung. Prof. Dirk Roggenbuck geschäftsführender Gesellschafter des auf Diagnostika spezialisierten Unternehmens „medipan“ und Konsortialsprecher der Parmenides-Initiative unterstrich den Stellenwert geeigneter Biomarker für die weitere Entwicklung. Die intensive Debatte in der Podiumsdiskussion erfasste ein breites Spektrum der individualisierten Medizin – vom aktuellen Stand bis zu Visionen der weiteren Entwicklung.

Aufgestellte Poster zu wissenschaftlichen Fragestellungen flankierten die Veranstaltung. Dr. Ronald Kühne und. Dr. Dirk Schumacher präsentierten Projekte aus dem FMP und stellten Ansätze für die Tumortherapie vor. In einem weiteren FMP-Poster erläuterte Dr. Leif Schröder neue diagnostische MRI-Möglichkeiten für die individualisierte Medizin.  In zwei Postern demonstrierten Mitarbeiter von EPO bzw. eines kooperierenden Unternehmens Ergebnisse ihrer translationalen Forschungen und erläuterten die umfangreichen Möglichkeiten ihrer Firmen. In einem Poster zur PARMENIDes Initiative des Clusters Gesundheitswirtschaft Berlin-Brandenburg wurde die individualisierte Diagnostik als Treiber der personalisierten Medizin erläutert und Zusammenarbeit angeregt.
Die Diskussionen an den Postern boten Ansätze für die durch das Forum angestrebte Vernetzung zwischen Grundlagenforschung, Klinik und Wirtschaft.

In seinen Schlussbemerkungen betonte Prof. Oehme, dass trotz der unbestreitbaren Fortschritte in der molekularbiologischen Forschung die realen Ergebnisse in der Klinik noch gering sind. Zugleich wies er darauf hin, dass durch eine Überbetonung biologischer bzw. molekularer Krankheitsfaktoren die persönliche Arzt-Patient-Beziehung nicht aus dem Blick verloren werden darf.
Am Ende machte er deutlich, dass durch die demografische Entwicklung schon in wenigen Jahren der Krebs die Volkskrankheit Nummer eins sein wird und damit neue Herausforderungen für die Politik und Gesellschaft und auch für die Forschung existieren. Das betrifft insbesondere den Komplex der Krebsprophylaxe, durchaus als Teil einer individualisierten Medizin.
Unter dem Strich war das Leibniz-Forum am 10. März 2016 eine lebendige, gelungene und weiterführende Veranstaltung.

Anschriften: (1) Leibniz-Sozietät der Wissenschaften zu Berlin e. V.
                           Langenbeck-Virchow-Haus, Luisenstr. 58/59, 10117 Berlin
                        (2)Leibniz-Institut für Molekulare Pharmakologie
                            Campus Berlin-Buch, Robert-Rössle-Str. 10, 13125 Berlin